Wir meinen, wir seien unseren Vorfahren weit überlegen: wir denken, handeln und arbeiten global. Gestern noch in Saigon, sitzt so mancher Firmenlenker morgen schon in Sidney und wenige Tage später in New York. Was haben wir noch mit dem mit Bärenschurz bekleideten Jäger prähistorischer Zeiten zu tun? Weit mehr als wir glauben. Unsere Werte, die uns – uns selbst oft nicht bewusst – lenken, sind evolutionär bedingt. Wir schwanken zwischen Ich- und Wir-Kultur und daraus sind bestimmte Handlungsmuster entstanden.
Jeder Veränderungsprozess ist so individuell wie die Akteure, die hier mitspielen. Das Einbeziehen wichtiger Keyplayer und die hierfür erforderlichen Werkzeuge aber sind generell entscheidende Erfolgsfaktoren. Die besondere Beachtung von sechs Faktoren hat eine hohe Relevanz für jeden erfolgreichen Change-Prozess: Wird einer nicht berücksichtigt, gibt es eine jeweils anders geartete und – mit hoher Wahrscheinlichkeit – auch negative Bilanz.
Ziehen die spielentscheidenden Akteure mit dem Change-Verantwortlichen an einem Strang? Dies ist eine der wichtigsten Fragestellungen für das Gelingen der intendierten Veränderung. Ein Change-Prozess ist keine Solonummer! Und die Führungskräfte, die an den Prozess-Manager berichten, spielen hier eine erfolgsentscheidende Rolle.
Der Duden berichtet zum Fachkräftemangel lediglich Grammatisches: Substantiv, maskulin, bedeutet “Mangel an Fachkräften”. Die Generation Y hat es noch nicht einmal in das Standardwerk der deutschen Sprache geschafft. Genau die Kombination Fachkräftemangel und Generation Y aber macht den Unternehmen zu schaffen. Schon rein zahlenmäßig ist der Nachwuchs an wirklich gut ausgebildeten Fachkräften knapp. Und die Ansprüche der Umworbenen sind zunehmend gewachsen.
Einen Begriff zu nutzen und ihn zu leben, ist nicht identisch. Leadership ist ein solcher Begriff, der eine tiefe Durchdringung erfordert, ein tiefes Verstehen. Erst dann ist es möglich, sich den Fragen der Umsetzung im Unternehmenskontext zu nähern. Sich in jeder Situation, in der ein authentisches, ein zukunftsweisendes Führen erforderlich ist, neu mit den Möglichkeiten und auch den Grenzen des Mach- und Denkbaren auseinanderzusetzen. Um diesen Herausforderungen gerecht zu werden, reflektieren wir in unserer Leadership 2.0-Arbeitsgruppe Situationen, mit denen wir – ein Netzwerk aus Beratern und Führungspersönlichkeiten in Unternehmen – konfrontiert sind.
Wer kennt sie nicht, die Unternehmensphilosophien und Leitgedanken, die eine bessere Welt zu verheißen scheinen. Von Respekt ist da oft die Rede, von Vertrauen, von Transparenz – im Umgang miteinander und im Umgang mit Geschäftspartnern und Kunden. Fraglos wichtige Werte – aber werden sie auch gelebt? Oder schweben sie lediglich als Worthülsen in den oberen Etagen und die Mitarbeiter schütteln nur noch genervt den Kopf: ‚Das hat mit unserem Alltag nichts zu tun‘? Von Emergenz sprechen wir, wenn aus der Mitarbeiterschaft heraus, aus eigenem Impuls Werte definiert und auch praktiziert werden.
In unserer Wissensgesellschaft gerät der Typus Fließbandarbeiter zunehmend aus dem Fokus, immer stärker zählen für den Unternehmenserfolg Potenziale, Wissen und Können der Mitarbeiter. Viele Unternehmen definieren, welche Kompetenzen sie von Mitarbeitern erwarten. Das Optimum besteht in der Erkenntnis, welche Kompetenzen für welchen Arbeitsplatz erforderlich sind. Hier ist eine gezielte Entwicklung möglich.
Welches Wirtschaftsmagazin wir auch aufschlagen, welcher Social Media Kanal uns das Neueste verkündet: Jeder redet von Change, aber was verstehen wir eigentlich darunter – und ist wirklich jede Situation veränderungsbedürftig? Veränderung ist menschheitsgeschichtlich der Motor für Entwicklung. Würden wir uns nicht verändern, würden wir heute noch das gerade erlegte Mammut am Lagerfeuer verspeisen.
Ein verärgerter Ausruf, den man in Firmenfluren nicht selten hört: „Und das soll Unternehmenskultur sein?“ Oft gemünzt auf einsame Entscheidungen aus der Firmenzentrale, bei denen sich Mitarbeiter in ihren Interessen missachtet fühlen oder auch auf gnadenlosen Wettbewerb etwa zwischen Abteilungen, in dem mit harten Bandagen gekämpft wird. Ja! Auch das ist Unternehmenskultur!