Wie es zur Gründung von Detego kam, welche Kernwerte für das Unternehmen zählen, warum Agilität als „Buzzwort“ zu schnell verbrannt wurde und mit welchen Ängsten sie tagtäglich konfrontiert werden, erzählen Christian Brauner und Ralf Seidel im Interview.

Wie kam es zur Idee und Gründung von Detego?

Christian Brauner: Studiert habe ich vor vielen Jahren für das Lehramt an Gymnasien Sport und Mathematik – für mich ein idealer Mix aus „Körper und Geist“. Statt aber meine Stelle als Studienrat anzutreten, habe ich noch Wirtschaftsinformatik draufgesattelt und dann begann mein Weg bei einen renommierten Computerhersteller und vier Jahre später – 1990 – bei einem internationalen IT-Consulter.

Ralf Seidel: In dieser Zeit haben wir uns kennen gelernt. Ich hatte nach meinem Studium der Wirtschaftsinformatik bereits einige Jahre Beratungspraxis gesammelt und immer deutlicher begriffen, dass die wenigsten Prozesse am technischen Set-up, am Wissen oder an Methoden scheitern, sondern der Knackpunkt häufig in den zwischenmenschlichen Ebenen lag: in der Kommunikation, in der Teamkultur, in der Führung, im Umgang mit den Stakeholdern …

Christian Brauner: Als ich gemeinsam mit einem anderen Partner mittlerweile Geschäftsführer der „Akademie“ als 100%-iges Tochterunternehmen dieses IT-Consulters war, haben wir Ralf an Bord holen können und es gemeinsam geschafft, uns vom internen IT-Trainingsdienstleister zu einem renommierten Anbieter für externe Beratung und Begleitung von Change-Prozessen zu mausern. Unser Team wuchs schnell – dann vor allem mit Menschen ohne IT-Hintergrund.

Ralf Seidel: Detego haben wir im Jahr 2004 mit Standorten in Hamburg und Wiesbaden gegründet. Seither verfolgen wir das Ziel, so wie es unser Name verspricht (lat. detegere = entdecken), für unsere Kunden neue Lösungswege, Potenziale und Perspektiven zu entdecken. Bis heute haben wir mit unserem Team mehr 240 Kunden aus nahezu allen Branchen beraten.

Sie haben also selbst zahlreiche Plan- und Wegänderungen erlebt. Prägt das die eigene Beratertätigkeit?

Christian Brauner: Selbstverständlich! Man wird viel sensibler für Auswirkungen einer Veränderung und kann auch Kunden besser verstehen, die vielleicht Angst oder zumindest Verunsicherung vor anstehenden Veränderungen verspüren. Umso wichtiger ist es meiner Meinung nach, nie in Stereotypen zu denken oder mit Schablonen-Lösungen an Projekte heran zu gehen, denn jede Veränderung ist grundsätzlich einzigartig. Wir selbst leben die Zielkultur vor, die wir unseren Kunden vermitteln wollen.

Ralf Seidel: Außerdem lernt man, dass es nie ein „entweder – oder“ sein muss, sondern häufig das „und“ die besten Ergebnisse produziert. Im allgemeinen Buzz um Themen wie Agilität verfallen viele in Aktionismus und wollen althergebrachte Abläufe komplett über Bord werfen. Dass das längst nicht für alle Funktionen und Abteilungen in einem Unternehmen eine gute Idee ist, fällt vielen dann zu spät auf.

Stichwort Agilität – eines Ihrer Beratungsfelder – können Sie das überhaupt noch hören?

Ralf Seidel (lacht): Na klar! Wir begleiten unsere Kunden ja durch zahlreiche Veränderungsprozesse und moderieren oder begleiten dabei zum Teil intensive Disruptionen. Um das zu erreichen, muss sich am Mind-Set vieler Führungskräfte etwas verändern und das ist für Unternehmen überlebensnotwendig. Es geht im Kern eigentlich um die Frage „Was macht eine Organisation zukunftsfähig?“ Was mich aber wirklich nervt, ist die Art und Weise, wie das Thema „Agilität“ als „Marketing-Sau“ durch die Dörfer getrieben wird und als eine Art „Breitbandantibiotikum“ allen Geschäftsbereichen verabreicht wird. Das hat in vielen Unternehmen dem Thema geschadet, die enorm wichtige Relevanz dieses Themas für alle Unternehmen ist geblieben.

Christian Brauner: Genau so ist es. Wir verstehen Agilität als die für das jeweilige Unternehmen angemessene Balance aus Flexibilität und Stabilität, – diesen Zustand streben wir für unsere Kunden an.

Welche Mission verfolgt Detego und wie hat sich diese über die Zeit gewandelt?

Ralf Seidel: Wir begleiten mit Herz und Leidenschaft Organisationen auf ihrem Weg durch Change-Prozesse, mit dem Ziel, sie – wie eben schon erwähnt – zukunftsfähig zu machen.

Christian Brauner: Früher haben wir mehr erklärt und Wissen vermittelt, aber wir entwickeln unsere Dienstleistung kontinuierlich weiter und passen sie den Erfordernissen an. Früher brauchte es auslösende Trägerthemen für den Wandel, wie etwa eine Fusion, um an Unternehmensberatung und Changemanagement zu denken – heute kämpfen viele Unternehmen und Führungskräfte vor allem im Zuge der Digitalisierung mit einer alles verändernden exponentiellen Zunahme von Komplexität und Dynamik, innerhalb derer sie sich immer wieder neu positionieren müssen, um im Wettbewerb zu bestehen. Es geht also nicht mehr um das Bewältigen eines Change-Prozesses nach dem anderen, sondern um Veränderungsfähigkeit an sich, um zukunftsfähig zu werden und zu bleiben.

Warum ist die Beratung von Führungskräften ein so wichtiges Standbein?

Christian Brauner: Weil Führungskräfte nach wie vor der zentrale Hebel für das Initiieren des unternehmerischen Wandels sind. Darüber hinaus erfordert das Führen von sich selbst organisierenden Teams einen fundamentalen Wandel im Rollenverständnis bzw. im Mindset der Führungskräfte selbst. Viele Führungskräfte haben stattdessen die Angst vorm „Überflüssig werden“, weil sie Selbstorganisation mit „laissez faire“ verwechseln. Es ist eine unserer wichtigsten Aufgaben, solche Ängste zu thematisieren und zu beseitigen.

Ralf Seidel: Unser Ansatz ist es ja, Erleben zu organisieren und Menschen eigene Erfahrungen machen zu lassen in einem übersichtlichen und daher kontrollierbaren Rahmen. Da können mitunter Kleinigkeiten große „Aha“-Momente bewirken, wie bspw. ein Workshop, in dem Entscheidungen ausschließlich durch das Team getroffen werden, statt immer allein durch die Führungskraft – und am Ende alle mit dem Ergebnis zufrieden sind.

Christian Brauner: Darüber hinaus sind Leuchtturmprojekte ein wichtiger Teil unserer Vorgehensweise – damit setzen wir ein Art Keimling, der dann von innen heraus seine volle Kraft entfalten kann.

Welche Arbeitsmittel, Tools und Techniken kommen dabei zum Einsatz?

Christian Brauner: Je nachdem, was die Aufgabenstellung erfordert, setzen wir vielfältige Medien und Kreativtechniken ein. Ob das eine Aufstellung, ein Brainstorming oder ein Design-Thinking-Ansatz ist, ob das am Whiteboard und Flipchart, vor der Legokiste oder im Stuhlkreis stattfindet – erlaubt ist alles, was dabei hilft, Emotionen anzuregen, Themen hinter den Themen aufzuspüren, Dialoge und manchmal auch heftige Diskussionen zu entfachen und in die richtige Bahn durch erfolgsversprechende Lösungen bzw. Entscheidungen zu lenken.

Ralf Seidel: Dazu eignen sich erfahrungsgemäß handwerklich zugängliche Arbeitsmittel am besten, aber wir setzen auch immer stärker auf digitalen Support. Hier gibt es inzwischen etliche Tools, die es ermöglichen, Stimmungen im Team zu erfassen oder beteiligungsintensive Veranstaltungen auch mit virtueller Unterstützung stattfinden zu lassen.

Wie behauptet sich Detego am Markt gegenüber seinen Mitbewerbern?

Christian Brauner: Wir leben Agilität in einem hohen Maße selbst vor und das spüren unsere Kunden. Anders als große Beratungen, die sehr viel hierarchischer und arbeitsteiliger auftreten, haben wir uns über die Jahre immer interdisziplinärer aufgestellt. Denn die Zeit der „Besserwisser“ ist längst vorbei – es kommt heute nicht mehr auf schlaue Folien an, sondern auf gute Menschen- und Prozesskenntnis.

Ralf Seidel: Bei vielen unserer Mitbewerber herrscht intern ein großer Konkurrenzdruck und die einzelnen Berater wenden viel Kraft auf für die eigene interne Profilierung. Wir als Geschäftsführer beziehen das gesamte Team in alle Überlegungen und Prozesse mit ein, geben keine Arbeitszeitmodelle vor und setzen auf ein vertrauensvolles Miteinander. Das spüren unsere Kunden.

Wo geht die Reise hin in den kommenden Jahren?

Ralf Seidel: Immer mehr Unternehmen begreifen, dass sie sich jetzt verändern müssen, wenn sie nicht brutal gegen die Wand fahren wollen. Wir wollen in diesem für uns dankbaren Markt natürlich weiter wachsen, lernen und mitgestalten.

Christian Brauner: Wir möchten noch sichtbarer werden als anerkannte Transformatoren, deren hochwertige Dienstleistung immer mehr Kunden geholfen und zukunftsfähig gemacht hat.

Category: Standpunkte

Comments

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .